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Ort: Malta - Blenheim Bomber Wrack
TG-Start: 10:05 , 28.08.2009
TG-Dauer: 29 min
MOD/Tiefe: 41
m
Mix : 21%
Deko Mix: EAN 69
Und hier ein Artikel aus SPON...
Bomberwrack vor Malta
Der letzte Flug der Blenheim Z7858
Vergessen, aber nicht verschollen: Vor
Malta liegt das Wrack eines britischen Bombers aus dem Zweiten
Weltkrieg. Aus Tagebuchaufzeichnungen und bisher geheim gehaltenen
Militärdokumenten rekonstruiert Marc Vorsatz die letzten Stunden
der Bristol Blenheim - und taucht ab in mehr als 40 Meter Tiefe.
Tom Black schaut auf seine Karte: Vom Flughafen Malta-Luqa bis zur
griechischen Insel Kefalonia sind es genau 592 Kilometer Luftlinie.
Macht bei dem Wind gut anderthalb Stunden Flugzeit, kurz abladen, dann
retour und ab in die Kantine. Ihm ist kalt, von Sizilien weht eine
steife Brise herüber. Um 9 Uhr klettern er, Dennis J. Mortimer und Pilot
Frank Jury in ihre nagelneue Propellermaschine. Schwer beladen schraubt
sich die Bristol Blenheim in die Luft.
Doch es wird kein Mittagessen geben an diesem 13. Dezember 1941. Die
Blenheim Nummer Z7858 hebt ab zu ihrem letzten Flug.
Owen Buhagiar schaut aufs offene Meer. Höher dürften die Wellen nicht
sein, dann würde das Tauchen zu gefährlich werden. Von Sizilien weht
eine frische Brise herüber. Der Skipper gibt Vollgas. Wir fliegen über
die Wellen und brettern hart in die Täler.
Die Bristol Blenheim ist das erste Flugzeugwrack, zu dem ich
hinabtauche, und eines der ganz wenigen gut erhaltenen weltweit. In den
Kriegs- und Nachkriegswirren hatten die Malteser andere Sorgen als den
abgestürzten Bomber. Sie vergaßen ihn schlichtweg. So schlief die
Blenheim jahrzehntelang friedlich in einem Bett aus Sand in 41 Meter
Tiefe weit draußen im Meer und war nicht einmal mit Echolot zu orten.
Wir haben zwar GPS, aber lediglich einen Versuch. Denn bei der Tiefe
können wir genau acht kurze Minuten am Wrack bleiben, ansonsten steigt
das Risiko für die Dekompressionskrankheit enorm. Wir, das ist die
maltesische Tauchlehrerin Abigail Borg und ich, ausgebildeter
Rettungstaucher mit Wrackerfahrung.
Nur noch 20 Minuten bis Kefalonia, das seit April 1941 von Mussolini
besetzt ist. Die Anspannung steigt, können doch jetzt jederzeit die
italienischen Macchi-Jagdflieger aufsteigen. Tom Black und seine Jungs
fliegen in einer Staffel von sechs Blenheims. Jede hat 600 Kilogramm
Bomben im Schacht. Ihr Kampfauftrag: Versenken der feindlichen
Versorgungsschiffe "Capo Orso" und "Iseo" sowie der fünf Zerstörer im
Hafen Argostoli.
An diesem Tag wird Italien auf Geheiß Berlins versuchen, insgesamt
drei Konvois mit acht randvoll mit Benzinkanistern beladenen
Frachtschiffen zum Deutschen Afrikakorps durchzubringen. Die explosive
Fracht soll von 37 Kriegsschiffen und fünf U-Booten flankiert werden.
Die Briten werden ihrerseits alles daran setzen, genau das zu
verhindern. Sonst ist Afrika an Rommel verloren.
Die Boje ist gesetzt. Wir tarieren uns aus, kurzer Blickkontakt,
alles in Ordnung. Längst hat uns die starke Meeresströmung abgetrieben,
wir schwimmen mit der sperrigen Ausrüstung zur Boje zurück. Dort greifen
wir das sichere Seil, das uns in die Tiefe führt. Ein letztes okay und
los.
Feuerhagel über Kefalonia
Der Plan ist so einfach wie genial: Die sechs Bomber sollen einen
Überraschungsangriff von Land her starten. Frank Jury holt jetzt alles
aus seiner Flugmaschine, jagt mit über 400 Sachen knapp über der Straße
hinunter zum Hafen.
Der Plan ist genial. Aber er funktioniert nicht. Die Italiener feuern
aus allen Rohren, der Himmel brennt. Schwerer Flakbeschuss, wohin das
Auge reicht. Die Blenheims klinken ihre Bomben aus. Doch vergebens:
Viermal sieht Tom Black neben seiner gläsernen Flugzeugnase einen
leuchtenden Feuerball, viermal fallen Blenheims wie Steine vom Himmel,
viermal sterben Kameraden und Freunde. Dann schüttelt Blacks Mannschaft
eine gewaltige Erschütterung durch. Treffer! Aber sie schmieren nicht
ab. Noch nicht.
Der Druck nimmt zu, langsam wird es dunkler. Dennoch ist die Sicht
gut und beträgt mehr als 20 Meter. Wir gleiten völlig bewegungslos am
Seil in die Tiefe, das spart Kraft und Luft. Allmählich lässt die
Strömung nach. Wir sehen kaum Fische, und die paar wenigen sind selten
größer als meine Hand. Wie gespenstisch leer gefischt dieses Mittelmeer
doch ist.
Wer Fische sehen will, sollte besser weiter weg fliegen. Wer Wracks
sucht, muss nach Malta. Denn was in diesem Winzlingsarchipel herumliegt,
ist einzigartig: mehrere Zerstörer, Fregatten, Torpedo-, Patrouillen-
und die legendären deutschen Schnellboote, Frachter, Schlepper,
Minenleger und Minenräumer, außerdem ein Tanker, eine Autofähre, ein
Luxus-Passagierschiff aus "Titanic"-Zeiten, ein U-Boot und zwei
Flugzeuge - eines davon ist die Blenheim unter uns. Immer wieder
entdecken Taucher neue Wracks, meist Kriegsschiffe aus dem Zweiten
Weltkrieg, oft noch scharf beladen. Ein Eldorado für Abenteurer und
Wracktaucher.
Alle Taucher spähen nach der Crew
Die Uhr stottert, aber sie tickt weiter. Irgendwie schafft es der
Bomber aufs offene Meer, raus aus diesem infernalischen Feuerhagel.
Sergeant Jury zieht die Maschine hoch, doch sie gibt kaum noch Schub.
Das linke Triebwerk hat es erwischt, der Propeller fehlt. Und noch sind
es 580 Kilometer bis Malta.
Wir sind auf 20 Meter Tiefe. Schemenhaft zeichnet sich unter uns ein
großes ebenmäßiges Rechteck ab. Das muss die Blenheim sein, das Meer
kennt keinen Kubismus. Nur noch zehn Meter ist sie entfernt. Wir lösen
uns vom Seil, ich erkenne Details. Fünf Meter. Die beiden bulligen
Triebwerke hängen in den Tragflächen, dazwischen ist das offene Cockpit.
Unwillkürlich suche ich nach dem Piloten. Später wird mir Abi erzählen,
dass alle Taucher wie hypnotisiert nach der Crew spähen.
Gerade als die drei jungen Männer zu begreifen beginnen, dass sie
noch am Leben sind, eröffnen drei Macchis das Feuer. Die beiden
Blenheims können die Kurzstreckenjäger mit ihren Brownings in Schach
halten, bis diese schließlich abdrehen müssen. Noch 200 Kilometer bis
Malta.
Die Royal Air Force wird an diesem Vormittag insgesamt vier
Angriffswellen gegen Argostoli fliegen, die allesamt ihr Ziel verfehlen
werden. Am Nachmittag wird der italienische Versorgungskonvoi
unbeschädigt in See stechen. Er wird Afrika nie erreichen.
Vor genau zwei Minuten war ich noch oben an der Boje in der Gegenwart.
Ich tauche auf den Propeller zu und will seine Spitze berühren. Aber
genau da sitzt ein kleiner bunter Fisch und macht keine Anstalten, das
Feld zu räumen. Knallbunte Fische, die keinerlei Angst zeigen, sind oft
giftig. Ich schwimme ein paar Scheinangriffe, bis der Winzling endlich
gelangweilt davonsegelt. Die Berührung des Rotorblatts hat etwas fast
Mystisches. Als ob ich durch die Zeit gleite, direkt in diesen Samstag
hinein, elf Tage vor Weihnachten im Kriegsjahr 1941. Als die Zeit der
Blenheim Z7858 abläuft und sich der mannsgroße Propeller ein letztes Mal
dreht.
Reifen sitzt im Radkasten fest
Die Männer beten, wie sie noch nie gebetet haben. Sie sind auf alles
gefasst und absprungbereit in ihren Fallschirmen. Dann endlich taucht
Malta am Horizont auf. Sie haben es geschafft. Fast. Die Küstenlinie
nimmt Kontur an, Rettung naht. Schon kann Tom Black das Flugfeld von
Luqa erahnen. Gott ist auf ihrer Seite. Frank Jury setzt zum Landeanflug
an.
Die drei Enden der Rotorblätter sind absolut symmetrisch verbogen.
Also muss sich der Propeller beim Eintauchen ins Wasser noch gedreht
haben. Was für enorme Kräfte da am Werk waren. Ich schwebe über die
Backbord-Tragfläche. Hier und da fehlt die hauchdünne Aluminiumhaut, ich
kann die Spanten darunter sehen. Über die Jahre haben Strömung und
Erosion an dem Flugzeug genagt. Aber insgesamt ist die Blenheim in einem
überraschend guten Zustand, nur die Heckflosse ist zertrümmert. Die
Gummireifen sehen noch völlig intakt aus, und das nach 68 Jahren im
Salzwasser. Aber einer sitzt schief im Radkasten. Warum im Radkasten?
Gefasst und wortlos zurren die Männer ihre Schwimmwesten fest.
Das Fahrwerk klemmt, an Land wäre eine Bruchlandung Selbstmord. Auch
im Wasser stehen i
hre Chancen nicht viel besser, aber im Süden tanzt ein buntes
Fischerboot auf den schwarzen Wellenbergen. Der Sergeant nimmt Kurs,
geht runter und zieht in letzter Sekunde die fragile Nase hoch.
Dann geht alles rasend schnell: Das Heck schlägt auf und zerschellt.
Trümmerteile fliegen durch die Luft.
Dennis J. Mortimer wird samt Gefechtsturm über das Cockpit
katapultiert. Der Propeller taucht ein, die Triebwerke auch. Wie eine
Stahlkralle packt das Meer zu, das Leben von Frank Jury und Tom Black
hängt an ledernen Sitzgurten.
Doch die Blenheim schwimmt - und die drei können sich ins Fischerboot
retten.
Dort nehmen Black, Jury und Mortimer Abschied von ihrem Bomber. Ein
letzter Blick, die Blenheim sinkt.
Unsere Zeit ist um. Ein letzter Blick, wir tauchen auf.
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